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Eine kleine Einführung über das Entstehen der Tasteninstrumente von Kees Rosenhart

Vögel können schön zwitschern, Wölfe herzzerreißend heulen und Frösche nett zusammen quaken, aber wir Menschen besitzen mehrere musikalische Möglichkeiten. Wir können bewusst aus Tonhöhen, Klangfarben, Rhythmen usw. wählen und damit nach eigenem Belieben spielen. Wir Menschen sind die einzigen Lebewesen, die willentlich musizieren können.

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Dazu kommt noch, dass wir nicht mit unseren physischen Möglichkeiten zufrieden sind, wie singen, summen, schnalzen mit der Zunge, in die Hände klatschen und mit den Füßen stampfen. Wir gebrauchen auch allerlei Materialien, um damit Musik zu machen: Darm, Haare, Haut, Holz, Schilf, Metall, Glas, Wind, Wasser, Elektrizität. Zu Vieles, um alles aufzuzählen. Der Gebrauch von all´ diesen verschiedenen Materialien führte und führt zu einer unübersehbaren Flut von Arten von Musikinstrumenten.

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Musikwissenschaftler haben es nach langen Mühen und Streitereien verstanden, Ordnung in diese chaotische Vielfalt von Musikinstrumenten zu bringen. Resultat war, dass das Klavier und seine Vorgänger, das Cembalo (später der Flügel) und das Clavichord (später das Tafelklavier), was die Konstruktion (den Bau) betrifft, natürlich erst zu den Saiteninstrumenten eingeteilt wurden, aber anschließend zu der Gattung der Zitherinstrumente. Kennzeichnend für die Bauweise von Zithern ist, dass die Ebene von den Saiten parallel zur Fläche des Klangkörpers läuft. Andere bekannte Instrumente dieser Kategorie sind das Hackbrett, das Psalterium und, populär in den Donaulanden, das Zimbal. Der Klang eines Zimbals erinnert uns an den Klang eines antiken Pianos.

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Mechanisch gezupfte Psalterien sind seit ca. 1375 bekannt. Daraus entstanden Instrumente wie Cembalo, Spinett, Virginal und Muselar. Hingegen kennen wir mechanisch angeschlagene Psalterien seit ca. 1710 (Bartolommeo Cristofori zu Florenz): das Hammerklavier. Ein anderer Versuch von Arnout van Zwolle ca. 1440, der dulce melos, erhielt keinen Nachfolger. Cristofori präsentierte seine Erfindung als „gravicembalo col pianoforte“ (wörtlich: Cembalo mit leise und laut). Bei diesem Instrument – der Urform eines Klaviers – konnten die Seiten mit Hämmern stärker oder schwächer angeschlagen werden. In dem Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig kann man noch ein Originalinstrument finden.

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Bis weit in das 18. Jahrhundert war der Terminus „Klavier“ damals meist als „Clavier“ geschrieben der Sammelname für verschiedenartige Tasteninstrumente wie Orgel, Clavichord und Cembalo. Dies wird z.B. deutlich bei J.S. Bachs „Clavierübung“. Dieses Werk besteht aus 4 Teilen. Der 1. Teil besteht aus 6 Partiten, die auf dem Cembalo und auf dem Clavichord gespielt werden können. Der 2. Teil (das „Italienische Konzert“ und die „Partita H-Moll“) besitzt Anweisungen für Manualwechsel und soll idealer Weise auf einem Cembalo mit 2 Klaviaturen gespielt werden. Der 3. Teil besteht größtenteils aus Choralbearbeitungen für Orgel mit und ohne Pedal. Der 4. Teil, die“ Goldbergvariationen“, ist ausdrücklich für Cembalo mit 2 Manualen geschrieben.

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1783 veröffentlichte C.Ph.E.Bach im Selbstverlag eine Sammlung von Klaviermusik mit folgenden Titel: “Clavier Sonaten und Freye Fantasien nebst einigen Rondos fürs Fortepiano für Kenner und Liebhaber“. Der Terminus „Clavier“ verweist in diesem Falle auf das Clavichord. Das Klavier (Fortepiano) wird schon bereits hier extra davon gesondert angegeben.
An erster Stelle gebrauchten Fachmusiker das Cembalo als Begleitinstrument (Continuo Spieler), aber auch für Sololiteratur. Das Clavichord wurde in der ersten Zeit hauptsächlich als Studierinstrument (Übungsinstrument) verwendet. Erst spät im 18. Jhdt. erhielt das Clavichord, vor allem in Norddeutschland, seine eigene Literatur. Kapitalstarke Familien konnten auch im Kreise ihres Haushalts über Cembali, Spinette, Virginale und Muselare verfügen. Einige besaßen sogar eine Hausorgel. Um ca. 1800 übernimmt das Piano (Klavier) sehr plötzlich die Rolle des Cembalos und des Clavichords und es kommt eine neue Gruppe von Benutzern hinzu: das Bürgertum.

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Das Piano (Klavier) ist geeignet für ein breites Repertoire von sehr weit gefächerten Musikstilen, wie Wiener Klassik, Deutsche Romantik, Französischer Impressionismus, Spätklassik, Jazz, Pop usw. Das Klavier kennt eine reiche Sololiteratur für einen oder mehrere Pianisten, für ein oder mehrere Klaviere oder für Klavier und Orchester. Das Klavier spielt eine wichtige Rolle in der Kammermusik im Duo-, Trio- und Quartettspiel. Manchmal hören wir das Klavier auch als Orchesterinstrument. Der Pianist wird auch häufig zum Begleiten von Vokalisten, Sängern und Chören eingesetzt sowie auch als Repetitor beim Ballet.

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Das, was das Piano mit anderen Tasteninstrumenten gemein hat, ist die Tatsache, dass das ganze westliche Tonsystem „vor den Augen“ deutlich zu sehen ist. Das Tonsystem liegt zum Greifen nahe. Das moderne Klavier verfügt dabei auch noch über den totalen Tonumfang von 6 Oktaven. So eine Situation lädt ein zum Improvisieren und Bearbeiten von bekannten Kompositionen für das Klavier. Stücke, die ursprünglich für Ensemble oder Orchester geschrieben sind: Klavierauszüge und Klavierbearbeitungen entstehen. Dies macht das Klavier auch so besonders gut geeignet als Hilfsmittel zum Harmonisieren und Komponieren.

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Lebenslauf von Kees Rosenhart


Kees Rosenhart (Haarlem 1939) war lange Zeit Organist der Waalse Kerk in Haarlem, wo er die Friederichs Orgel aus dem Jahr 1808 bespielte. In den siebziger und achtziger Jahren war er am Konservatorium in Arnheim und Amsterdam als Hauptfachdozent für Cembalo tätig. In der Zeit davor unterrichtete er an den Musikschulen in Kampen, Hilversum, Haarlem und Beverwijk. Er studierte an dem ehemaligen Amsterdamsch Konservatorium die Hauptfächer Cembalo bei Gustav Leonhardt und Orgel bei Albert de Klerk.

Kees Rosenhart ist Autor des Amsterdam Harpsichord Tutor. Über die Aufführungspraxis von alter Musik publizierte er regelmäßig in verschiedenen Fachblättern.

Er ist einer der Gründer der Nederlands Clavichord Genootschap und einer der Initiativnehmer der zweimal im Jahr stattfindenden Haarlemse Clavecimbeldagen.

Für die Stiftung „Stichting voor en met orgel“ machte er mit Wim Husslage historische Aufnahmen von wichtigen historischen Orgeln in und um Haarlem, von der Müller Orgel in Beverwijk, und von der Orgel in Oosthuizen, der ältesten Orgel der Niederlande. In den vergangenen 20 Jahren hat er sich in die Musik der Tasteninstrumente aus dem 17. Jh. und 18.Jh. vertieft und konzentrierte sich dabei auf Orgel, Clavichord, Cembalo und Hammerklavier.

Text von Kees Rosenhart / Übersetzung aus dem Niederländischen ins Deutsche von Gabriele Paqué

Galerie geöffnet Samstags von
14 – 18 Uhr
geöffnet.

Musikstudio und Galerie:
Gabriele Paqué

Blücherstraße 14
53115 Bonn

tel:     0228 / 41076755
mail: info(at)paque-klavier.de
web: paque-klavier.de

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