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Musik und Gehirn

Die Fähigkeit zum Musizieren ist eine der anspruchsvollsten Leistungen unseres zentralen Nervensystems. Nahezu alle Bereiche des menschlichen Gehirns werden dabei aktiviert. Regelmäßiges Üben ermöglicht das Zusammenspiel der Sinneswahrnehmungen mit dem Bewegungsapparat. Das stellt die Grundlage für die Beherrschung eines Instrumentes dar.

Unser gesamtes Nervensystem besteht aus Milliarden von miteinander verschalteten Neuronen, die über mehrere Billionen Kontakte miteinander kommunizieren. Die Leistungen des Gehirns beruhen auf struktureller und funktioneller Organisation – also darauf, wie Neuronen im Schaltplan des Gehirns vernetzt sind, wie sie zusammenarbeiten und sich gegenseitig beeinflussen. Neuronen sind im Gegensatz zu Zellen mit anderen Funktionen hochspezialisierte Nervenzellen, die mittels chemischer und elektrischer Prozesse in der Lage sind, über Rezeptoren aufgenommene Umweltreize in Form von Aktionspotenzialen als Informationen aufzunehmen, zu interpretieren und weiterzuleiten. Diese Information erhalten sie z.B. über Lichtimpulse oder auch durch Schallwellen. Unser Gehirn ist in der Lage, elektrische Impulse in bewusstes Erleben umzuändern. Man könnte sagen: Unser Gehirn macht aus den empfangenen Schallwellen erst Musik.

Im Gegensatz zu den meisten Zellarten können sich Neuronen nicht teilen und vermehren. Diese Fähigkeit besitzen jedoch die neuronalen Vorläuferzellen. Sie sind dann in der Lage, neuronale Aufgaben zu übernehmen. Dabei werden neue Kontakte zu anderen Nervenzellen geknüpft. So prägt Lernen die Struktur des Gehirns. Die Zellen, die benutzt werden, bilden stärkere Verknüpfungen aus, die aber nicht Beanspruchten verkümmern.

Die funktionelle und strukturelle Anpassung des Nervensystems an Spezialanforderungen bezeichnet man als Neuroplastizität. Die enorme Wandlungsfähigkeit des Gehirns bleibt ein Leben lang erhalten; das zeigen Versuche mit erwachsenen Klavieranfängern. Schon nach 20-minütigem Üben lassen sich bei den angehenden Pianisten neue Nervenverbindungen nachweisen: Großhirnbereiche für Sinneswahrnehmungen und Bewegung verknüpfen sich verstärkt. Klavierspielen trägt dazu bei, Koordination und Konzentration zu üben und zu steigern und entfaltet eine emotional anregende Wirkung. Wir werden also nicht mit einem fertigen neuronalen Netzwerk geboren. Unser Gehirn hat ein enormes Entwicklungspotenzial. Nutzen auch Sie Ihre „neurogene Reserve“.

Text von Prof. Dr. Dr. rer. nat. Dieter Lütjohann

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Gehirn-Musik und Demenz-Text zur Demenz

Literatur zum Thema Musik und Gehirn

  • Gruhn, Wilfried: Der Musikverstand. Neurobiologische Grundlagen des musikalischen Denkens, Hörens und Lernens, Hildesheim [u.a.] 1998 (Olms-Forum).
  • Hartogh, Theo/Wickel, Hans Hermann: Musizieren im Alter. Arbeitsfelder und Methoden, 2008 (Schott Verlag).
  • Jäncke, Lutz: Macht Musik schlau? Neue Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften und der kognitiven Psychologie von Lutz Jänicke, Bern 2008 (Huber Verlag).
  • Sacks, Oliver W.: Der einarmige Pianist. Über Musik und das Gehirn, Reinbek bei Hamburg 32008 (Rowohlt Verlag).
  • Spitzer, Manfred: Musik im Kopf. Hören, Musizieren, Verstehen und Erleben im neuronalen Netzwerk, Stuttgart [u.a.] 92009 (Schattauer Verlag).
  • de Vree, Tom: Über das Üben. Ein Leitfaden für Schüler, Studenten und Lehrer, o.O. 1993 (Karthause-Schmülling Verlag).
  • Havas, Kato: Lampenfieber. Ursachen und Überwindung unter besonderer Berücksichtigung des Violinspiels, Köln [u.a.] 1989 (Bosworth-Ed.).
  • Jäncke, Lutz/Heuer, Herbert: Bewegungslernen, 1995 (Pabst-Verlag).
  • Spahn, Claudia: Lampenfieber. Handbuch für den erfolgreichen Auftritt. Grundlagen, Analyse, Maßnahmen, 2012 (Henschel Verlag).
  • Jourdain, Robert: Das wohltemperierte Gehirn. Wie Musik im Kopf entsteht und wirkt, Heidelberg [u.a.] 2001 (Spektrum Akad. Verl.).
  • Krämer, Oliver: Strukturbilder, Sinnbilder, Weltbilder. Visualisierung als Hilfe beim Erleben und Verstehen von Musik, Augsburg 2011 (Wißner Verlag).

 

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