Update 17.04.2016: VIDEO und Foto vom Vortrag: Eine Gegenüberstellung Russlands und Amerika. Ein Vortrag von David Franz

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Liebe Freunde von Kunst, Musik und Wissenschaft,

Am 16.04.2016 hielt David Franz seinen Vortrag zum Themenkomplex „Vereinigte Staaten und Russland“, welcher in Zusammenhang mit der derzeitigen Ausstellung „Ost-West“ von Otto von Kotzebue stand.

Dabei bezog sich David Franz vornehmlich auf die Betrachtungsweise dieser beiden Staaten aus deutscher Sicht zur Zeit der Weimarer Republik. Erstaunlich war beispielsweise, wie gut die Berichterstattung schon damals, ohne Internet, Fernsehen und Radio, war und in welcher beide Beziehung diese beiden Staaten schon zum „neuen“ Medium Fotografie standen. Diese spielte im Amerika bereits eine sehr wichtige Rolle zur charakterlichen Darstellung des jeweiligen Präsidentschaftskandidaten und kein Bild war einfach „zufällig“ entstanden, auch wenn es manchmal so den Eindruck zu machen schien. Gleichzeitig spielte das politische Programm der jeweiligen Kandidaten keine sehr große Rolle. Während man sich in Amerika darum bemühte, nach außen auf die Öffentlichkeit medial Einfluss zu nehmen, ging es in Russland ganz anders zu, wie man sich sicher schon denken kann. Die Machtkämpfe fanden tatsächlich nicht zwischen den Parteien statt, sondern zwischen den jeweiligen Fraktionen innerhalb der KPR (Kommunistische Partei Russlands, bzw. „Bolschewiki“) statt, da sie allein sowieso die einzig politisch relevante Partei war. Der Umgang mit den Medien war dementsprechend auch ein ganz anderer als der amerikanische. Ein Großteil der Medien war durch sie gelenkt und sie funktionierten eher als ein gigantischer Propagandaapparat.

Deutschland, das sich selbst auch noch als „Weltmacht“ verstand, blickte konzentriert auf die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in diesen beiden Staaten, welche es als einzige dem Vergleich würdige Systeme ansah. Schon früh wusste man in Deutschland, dass die sogenannte „Demokratie“ in Russland, wie auch das politische System der Vereinigten Staaten, nicht dem deutschen/europäischen Verständnis entsprach, was wiederum aufzeigt, dass auch Deutschland in den 1920er Jahren bereits ein recht differenziertes Demokratieverständnis hatte und an diesen beiden Staaten auch lernte, sich selbst zu definieren, da einem Beobachter besonders an diesen beiden Staaten die Unterschiede zur eigenen Weltsicht auffiel. Dieses Verständnis war dabei keineswegs nur einer herrschenden Elite vorbehalten, da sich die Arbeit von David Franz oftmals aus der Berichterstattung diverser viel gelesener Tageszeitungen zusammensetzte!

Wie man sieht, kann man aus dieser historischen Betrachtung schon sehr viele Schlüsse auch auf unsere heutige Zeit ziehen und man erlebte mal wieder, wie wichtig ein aufgeklärtes Geschichtsverständnis zur Betrachtung der heutigen politischen Strukturen sein kann!

Ich möchte David Franz nochmal ganz herzlich dafür danken, dass er sich den weiten Weg aus München gemacht hat und uns mit diesem Vortrag hochinteressante Einsichten geben konnte!

Sie können sich den Vortrag nun auch bei YouTube anschauen:


 

Liebe Freunde von Musik und Kunst,

Ich freue mich ganz besonders Ihnen im Rahmen der aktuellen Ausstellung „Ost-West“ David Franz vorzustellen, ein junger Historiker, der gerade seine Dissertation „Amerikanische und sowjetische Modernen in der Weimarer Republik“ fertiggestellt hat und bereits jetzt schon in der Fachwelt eine hohe Reputation genießt.

 

Samstag, 16. April 2016

17 Uhr

Eintritt: 10,- Euro

 

 


„Das Werk Otto von Kotzebues vermittelt genuin subjektive und zugleich vertraut wirkende Impressionen – „Bilder“ – von Amerika und Russland. Obgleich nie zuvor betrachtet, sprechen sie in ihrer Chiffriertheit tradierte Deutungsmuster im Betrachter an und setzen spontane aber keineswegs willkürliche Interpretationsprozesse in Gang. Das wirft die Frage nach den kulturellen Vorbedingungen auf, unter denen wir als Europäer und Deutsche Impressionen wie die von Kotzebues mit unseren kollektiven Imaginationen von Russland und Amerika mischen und so zu lebendigen Bildern werden lassen. Worauf genau treffen all die Impressionen in uns selbst und was macht sie für uns lesbar?

In meinem Vortrag sollen einige Themen vorgestellt werden, um die herum sich in der Zwischenkriegszeit die Länder-„Bilder“ von Amerika und Russland geformt haben. Ihre historischen Ursprünge sollen dabei ebenso beleuchtet werden wie das spezifisch deutsche an ihnen. Modernität, Erneuerung und brachialer Wandel bildeten Leitmotive, die in verschiedenen thematischen Kontexten Gestalt im öffentlichen Diskurs der Weimarer Republik annahmen. Die „kollektiven“ und kulturell verhandelten Ausdeutungen beider Länder sollen damit eine Teilantwort auf die Frage geben, welche in uns verankerten Sinngehalte den künstlerischen Blick eines Einzelnen auf Russland und Amerika universell verstehbar machen.“

– David Franz

 

Reservieren Sie sich hier Ihre Eintrittskarte(n):

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Lebenslauf

 

David Franz (*29.10.1985 in Wiesbaden, ledig)

  • 2005 Abitur in Viechtach, Bayerischer Wald; danach Wehrdienst im Panzergrenadierbataillon 112 im bayerischen Regen;
  • Ab 2006 Studium auf Gymnasiallehramt (Geschichte, Englisch, Politologie/Soziologie) an der Universität Regensburg;
  • 2008 – 2009 Studium der Internationalen Beziehungen an der University of Colorado at Boulder, USA;
  • 03/2012 Bayerisches Staatsexamen (Anglistik, Amerikanistik, Linguistik, Geschichte, Soziologie, Politologie);
  • Seit 04/2012 Doktorand am Institut für Anglistik und Amerikanistik der Universität Regensburg. Betreuer und Gutachter der Dissertation sind Prof. Dr. Volker Depkat und Prof. Dr. Ulf Brunnbauer;
  • Seit 10/2012 Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Themenverbundes „Ost-West-Transfers“ der Universität Regensburg;
  • Seit 12/2012 Assoziierter Wissenschaftler der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, eine Kooperation der Universitäten München und Regensburg im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern; hier seit 2015 als Doktorandensprecher Mitglied des Vorstands;

 

Schriften und Vorträge (Auswahl)

  • Amerikanische und Sowjetische Modernen in der Weimarer Republik (Dissertation, eingereicht am 11.01.2016, erscheint vorr. 2016 im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht).
  • Vortrag vor der German Studies Association Annual Conference in Kansas City, Missouri, am 19.09.2014: Industrial Rationalization in Societal Debates
  • Rezension zu Anton Sterbling: Wege der Modernisierung und Konturen der Moderne im westlichen und östlichen Europa. In: Jahrbücher Geschichte Osteuropas.

 


 

Dissertationsbeschreibung

„In meiner Dissertation „Amerikanische und sowjetische Modernen in der Weimarer Republik“ habe ich eingehend die Modernitätsdiskurse in der Weimarer Republik analysiert. Eine besondere Rolle spielten dabei die Bilder der Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion, wie sie in den Massenmedien der Weimarer Republik, also vor allem den Tageszeitungen und Illustrierten, gezeichnet wurden. Ich habe versucht darzulegen, ob und wie sich die miteinander konkurrierenden publizistischen Darstellungen und politischen Strömungen durch Impulse aus ebendiesen beiden Ländern und in der Auseinandersetzung mit diesen definierten. Dadurch sollte die bis dato vornehmlich auf die Vereinigten Staaten gerichtete Forschungsarbeit durch eine stärkere Integration der Rolle der Sowjetunion ergänzt werden.

Die Untersuchung führte zwei unterschiedliche Quellenarten zusammen: sowohl textuelle als auch vorwiegend visuelle Quellen wurden zur Analyse der Modernitätsdiskurse herangezogen. Diese Kombination versprach ein umfassendes Quellenkorpus, mit dessen Hilfe sich eine historische Diskursanalyse unter den genannten Prämissen durchführen ließ. Außerdem barg diese Kombination das Potential, die Wahrnehmung beider Länder aus deutscher Perspektive zur Zeit der Weimarer Republik vollständiger als bisher nachzeichnen zu können.

Im Verlauf der Recherchearbeit wurden die zu sichtenden Zeitungen auf ihre textuellen Referenzen und die Illustrierten auf ihre visuellen Referenzen zu den USA und der UdSSR als Beispiele für Modernität hin überprüft. Die anschließende Auswertung der gewonnenen Erkenntnisse ermöglichte eine umfassende historische Diskursanalyse, die entlang von sechs Themenfeldern strukturiert war, und zwar: Frauenemanzipation, Minderheitenrechte, Politische Ordnungen, Rechtsstaatlichkeit, Rationalisierungsprozesse und der Themenkomplex Sport, Jugend und Bildung.

Interessant war dabei die Bestätigung der vorher aufgestellten These, dass weder in der veröffentlichten Meinung der 1920er Jahre noch in den sich zunehmend ausdifferenzierenden weltanschaulichen Milieus geschlossene Länderbilder existierten. Vielmehr veränderten sich die Einschätzungen abhängig von den jeweils verhandelten Themen.“

 


 

 

Ich freue mich auf Ihr Kommen!
Herzlichst

Gabriele Paqué

 

 

Hinweis Parken!
Parkmöglichkeiten in Bonn-Poppelsdorf, ca. 10 Gehminuten von der Blücherstraße entfernt!

Das nächste Konzert findet am 23.04.2016 um 17:00 Uhr statt.

Studenten von Gesa Lücker und Gabriele Leporatti
spielen Werke von L.v. Beethoven, J. Brahms, F. Chopin, F. Liszt u.a.

 

Samstags ist die Ausstellung von 14-18 Uhr geöffnet.
Nach telefonischer Absprache kann die Ausstellung auch zu anderen Zeiten besichtigt werden.
Blücherstr. 14, 53115 Bonn
Telefon: 0228-41076755

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