14.11.2020 – VORTRAG und KONZERT: Prof. Dr. Christian Steinhäuser über “Musik, Alter und Gehirn” mit Musik von Schülern von Gabriele Paqué

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Was passiert mit dem Gehirn, wenn man musiziert? Beugt das Musizieren tatsächlich gegen Demenz und andere Alterskrankheiten vor?

Liebe Freunde der Musik,

Zu diesem Thema wird Prof. Dr. Christian Steinhäuser, Leiter des Instituts für Zelluläre Neurowissenschaften an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn, im Musikstudio an diesem Samstagnachmittag einen Vortrag halten, den Sie nicht verpassen sollten! Prof. Dr. Lütjohann hat für das Musikstudio folgenden Text geschrieben, den Sie mit Quellenangaben übrigens auch hier auf der Website finden können:

Die Fähigkeit zum Musizieren ist eine der anspruchsvollsten Leistungen unseres zentralen Nervensystems. Nahezu alle Bereiche des menschlichen Gehirns werden dabei aktiviert. Regelmäßiges Üben ermöglicht das Zusammenspiel der Sinneswahrnehmungen mit dem Bewegungsapparat. Das stellt die Grundlage für die Beherrschung eines Instrumentes dar.
Unser gesamtes Nervensystem besteht aus Milliarden von miteinander verschalteten Neuronen, die über mehrere Billionen Kontakte miteinander kommunizieren. Die Leistungen des Gehirns beruhen auf struktureller und funktioneller Organisation – also darauf, wie Neuronen im Schaltplan des Gehirns vernetzt sind, wie sie zusammenarbeiten und sich gegenseitig beeinflussen. Neuronen sind im Gegensatz zu Zellen mit anderen Funktionen hochspezialisierte Nervenzellen, die mittels chemischer und elektrischer Prozesse in der Lage sind, über Rezeptoren aufgenommene Umweltreize in Form von Aktionspotenzialen als Informationen aufzunehmen, zu interpretieren und weiterzuleiten. Diese Information erhalten sie z.B. über Lichtimpulse oder auch durch Schallwellen. Unser Gehirn ist in der Lage, elektrische Impulse in bewusstes Erleben umzuändern. Man könnte sagen: Unser Gehirn macht aus den empfangenen Schallwellen erst Musik.
Im Gegensatz zu den meisten Zellarten können sich Neuronen nicht teilen und vermehren. Diese Fähigkeit besitzen jedoch die neuronalen Vorläuferzellen. Sie sind dann in der Lage, neuronale Aufgaben zu übernehmen. Dabei werden neue Kontakte zu anderen Nervenzellen geknüpft. So prägt Lernen die Struktur des Gehirns. Die Zellen, die benutzt werden, bilden stärkere Verknüpfungen aus, die aber nicht Beanspruchten verkümmern.
Die funktionelle und strukturelle Anpassung des Nervensystems an Spezialanforderungen bezeichnet man als Neuroplastizität. Die enorme Wandlungsfähigkeit des Gehirns bleibt ein Leben lang erhalten; das zeigen Versuche mit erwachsenen Klavieranfängern. Schon nach 20-minütigem Üben lassen sich bei den angehenden Pianisten neue Nervenverbindungen nachweisen: Großhirnbereiche für Sinneswahrnehmungen und Bewegung verknüpfen sich verstärkt. Klavierspielen trägt dazu bei, Koordination und Konzentration zu üben und zu steigern und entfaltet eine emotional anregende Wirkung. Wir werden also nicht mit einem fertigen neuronalen Netzwerk geboren. Unser Gehirn hat ein enormes Entwicklungspotenzial. Nutzen auch Sie Ihre “neurogene Reserve”.

Natürlich werden auch meine Schülerinnen und Schüler mit von der Partie sein und Ihnen hautnah beweisen, dass das Musizieren Ihnen nicht nur gesundheitlich gut tut, sondern auch für die Seele eine wahre Freude ist.

Falls Sie immer schon mal mehr dazu wissen wollten und Sie vielleicht auch überlegen, ob es sich lohnt, noch im Alter ein Musikinstrument zu erlernen, dann sind Sie hier genau richtig!


Samstag, 14. November 2020

Beginn um 15:30 Uhr mit dem Konzert

Blücherstraße 14
53115 Bonn


Programm:

15:30 Uhr
Konzert der Schüler von Gabriele Paqué
Eintritt frei

17:00 Uhr
Vortrag zum Thema “Musik, Alter und Gehirn” von Prof. Dr. Christian Steinhäuser
Eintritt: 10,-€

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    Prof. Dr. rer. nat. habil. Christian Steinhäuser

    • 1975 Abitur in Berlin
    • 1977-82 Physikstudium an der Universität Jena
    • 1982 Diplom in der Abteilung Röntgenphysik
    • 1983-84 Teilstudium Medizin, Abschlussprüfung im Fach Physiologie an der Universität Jena
    • 1988 Dissertation an der Biologischen Fakultät, Uni Jena
    • 1989 Postgradualstudium und Fachanerkennung für Physiologie an der Akademie für Ärztliche Fortbildung, Berlin
    • 1994 Stipendiat der ‘SANDOZ-Stiftung für therapeutische Forschung’

    Berufliche Stationen:

    • 1982-89 Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Neurobiologie und Hirnforschung Magdeburg, Abteilung Membranphysiologie
    • 1990 Wechsel an das Institut für Physiologie der Universität Jena, Leiter einer Arbeitsgruppe Membranphysiologie
    • 1995 Habilitation für Physiologie
    • 1995-97 Kommissarische Leitung des Instituts für Physiologie I der Universität Jena
    • 1996 Ruf auf eine C3 Professur ‘Experimentelle Neurobiologie’ an der Uni Bonn
    • 1997 Wechsel an die Uni Bonn
    • 2006 Ruf auf eine W3 Professur für Physiologie (Lehrstuhl) an der Universität Frankfurt/M.
    • 2006 Gründung und Leitung des Instituts für Zelluläre Neurowissenschaften an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn

    Leitende Funktionen in Forschung und Lehre

    • Ko-Organisator des DFG Schwerpunktprogramms SPP1172 ‚Neuroglia and synapses’ (2003-2010)
    • Sprecher des SFB-TR3 ‚Mesial temporal lobe epilepsies’ (bis 2012)
    • Koordinator des EU Verbundprojekts ‚NeuroGLIA’ (2008-2012)
    • Organisator und Sprecher des internationalen Masterstudiengangs ‚Neurosciences’ (seit 2009)
    • Generalsekretär der NWG (seit 2013)

    Wissenschaftliche Schwerpunkte

    • Eigenschaften von NG2 Gliazellen und ihre Rolle bei der Informationsverarbeitung
    • Mechanismen von Neuron-Glia Interaktionen in verschiedenen Hirnarealen
    • Rolle der gap junction Kopplung von Radial-Glia bei der adulten Neurogenese
    • Bedeutung dysfunktionaler Astrozyten für die Entstehung von Temporallappen-Epilepsie

    Ich freue mich auf Ihren Besuch!

    Herzlichst
    Gabriele Paqué

    Hinweis Parken!
    Parkmöglichkeiten in Bonn-Poppelsdorf, ca. 10 Gehminuten von der Blücherstraße entfernt! 

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    Ankündigung:
    Das Musikstudio präsentiert am 30. Juni 2020 die kleinen Beethovens im Beethoven Kammermusiksaal der Stadt Bonn:
    Konzerte und Theaterstücke der Schülerinnen und Schüler von Michelle Yen-Howland

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    Aktuelle Ausstellung: Zu Ehren Beethovens – Eine Sammelausstellung
    Samtags ist die Galerie von 14-18 Uhr geöffnet.
    Nach telefonischer Absprache kann die Ausstellung auch zu anderen Zeiten besichtigt werden.
    Blücherstr. 14, 53115 Bonn
    Telefon: 0228-41076755

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